EZB-Leitzins und Zinsentwicklungen

Banken legen ihre Kreditzinsen nicht willkürlich fest. Einen großen Einfluss auf die Zinssätze für Kredite hat der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Anpassungen des EZB-Leitzinses können sich auf die aktuellen Kreditkonditionen der Banken auswirken. Viele Kreditnehmer haben hiervon bereits gehört, wissen über die Hintergründe jedoch nicht Bescheid. Wir möchten dies ändern, indem wir nachfolgend über die Bedeutung des Leitzinses informieren und abschließend sogar einen Ausblick auf seine voraussichtliche Entwicklung der EZB-Leitzinsen wagen.

1. EZB-Leitzins

1.1 Leitzins Definition

Streng genommen ist der Leitzins nichts anderes als ein geldpolitisches Instrument, das darüber entscheidet, zu welchen Konditionen die sich Geschäftsbanken refinanzieren. Was kompliziert klingen mag, ist im Grunde simpel: Damit die Banken ihren Geschäften nachgehen können, muss ihnen Kapital in ausreichender Höhe zur Verfügung stehen. Deshalb nehmen sie selbst Darlehen auf, die wiederum von einer Zentralbank stammen.

Bis zur Einführung des Euro haben sich Geldinstitute über die Deutsche Bundesbank refinanziert. Dann folgte eine Ablösung durch die Europäische Zentralbank, sie gewährleistet die im europäischen Bankengeschäft erforderliche Liquidität. Sie ist es auch, die die Höhe des Leitzinses festlegt. Um genau zu sein, wird diese Aufgabe von einem Gremium übernommen, dem so genannten EZB-Rat.

Die Entscheidungen des Gremiums haben eine enorme Tragweite, da sich Anpassungen des EZB-Leitzinses auf viele Bereiche auswirken. Da wäre zunächst der geldpolitische Bereich, der bereits erwähnt wurde. Mit niedrigen Zinsen stellt die Zentralbank sicher, dass sich die Geschäftsbanken ausreichend mit Kapital eindecken können. Zugleich befindet sich die EZB dadurch in der Lage, auf Deflation und Inflation im Euroraum einzuwirken. Hinzu kommen währungspolitische Einflüsse. Der Leitzins beeinflusst ebenfalls die Stärke einer Währung: Zinssenkungen können den Euro gegenüber dem US-Dollar sowie anderen Währungen abwerten und somit die europäische Wirtschaft ankurbeln.

1.2 Zusammenhang zwischen Leitzinsen und Kreditzinsen erklärt

Irrtümlicherweise nehmen viele Menschen an, dass Banken ausschließlich auf Spareinlagen (z.B. Guthaben auf Tagesgeldkonten) ihrer Kunden zurückgreifen, um Kredite zu vergeben. Dies trifft jedoch nur bedingt zu. Zum einen würden diese finanziellen Mittel überhaupt nicht genügen, um das Kreditgeschäft am Laufen zu halten, zum anderen wäre die finanzielle Stabilität arg gefährdet: Würden die Banken sämtliche Sparguthaben verleihen, könnten Sparer sich ihre Guthaben nicht auszahlen lassen.

In Anbetracht dieses Hintergrundes werden die meisten Kredite refinanziert. Darunter ist zu verstehen, dass die Banken sich selbst Geld leihen, um es dann an ihre Kunden weiter zu verleihen. Diese Vorgehensweise verspricht deutlich mehr Sicherheit, weil die Geldinstitute genau planen können. Wenn beispielsweise ein Kunde einen Ratenkredit mit einer Laufzeit von drei Jahren einnimmt, weiß die Bank genau, dass sie selbst ebenfalls über drei Jahre refinanzieren muss.

Das für die Kreditvergabe erforderliche Kapital leihen sich die Banken zum Teil bei ganz unterschiedlichen Geldinstituten. Größere Geschäftsbanken wenden sich oft direkt an die EZB, während Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen eigene Partnerbanken zur Seite stehen haben, die sich letztlich aber ebenfalls über die EZB refinanzieren. Hieran wird der Einfluss des EZB-Leitzinses ersichtlich: Wenn die Zentralbank eine Zinsanpassungen vornimmt, sind die Geschäftsbanken früher oder später zum Handeln gezwungen. Sinkt der Leitzins, kann die Bank ihre eigenen Kredite künftig günstiger anbieten. Kommt es hingegen zu einem Zinsanstieg, wird sie ihre Konditionen ebenfalls verteuern.

Wie schnell eine Bank auf eine Anpassung des Leitzinses reagiert, hängt vor allem davon ab, welchen Spielraum die eigene Gewinnmarg, die sie in ihren Angebotszins bereits eingepreist hat, zulässt. Außerdem wird nicht jeder einzelne Kredit bei der Zentralbank gegenfinanziert. Stattdessen leihen sich die Banken sehr große Beträge, die sie in den kommenden Wochen oder gar Monaten erst einmal „aufbrauchen“ müssen.

1.3 Wie wirkt sich der Leitzins der EZB auf die Baufinanzierung aus?

Nimmt die EZB eine Anpassung des Leitzinses vor, wirkt sich dies letztlich auf alle Finanzierungsangebote der Banken aus. Es spielt keine Rolle, ob Immobilienfinanzierungen oder Ratenkredite angefragt werden – die Banken reagieren auf die Maßnahme der Zentralbank.

Wie schnell und intensiv sie reagieren, kann von Kreditsegment zu Kreditsegment wiederum verschieden sein. Im Feld der Baufinanzierungen ist dies sehr deutlich zu erkennen. Weil es um große und zugleich gut besicherte Darlehen geht, setzen die Banken vergleichsweise niedrige Margen fest. Umso stärker sind sie deshalb dazu gezwungen, auf Leitzinsänderungen zu reagieren.

Doch nicht nur die Banken, sondern auch die Darlehensnehmer müssen den Leitzins im Auge behalten. Die meisten Immobiliendarlehen werden in Verbindungen mit einer Zinsbindung abgeschlossen. Darunter ist zu verstehen, dass der Zinssatz nur für bestimmte Zeit fixiert ist. Nach Ablauf dieses Zeitraums, der sich meist auf zehn bis 20 Jahre beläuft, wird über den Restschuldbetrag eine Anschlussfinanzierung abgeschlossen. Deren Zinssatz wird neu ausgehandelt, wobei der Einfluss des Leitzinses enorm groß ist. Sollte er seit Abschluss der Finanzierung signifikant gestiegen sein, muss der Darlehensnehmer von einem deutlich höheren Darlehenszins ausgehen.

Experten sprechen vom so genannten Prolongationsrisiko, das mit einer Finanzierungsverlängerung einhergeht. Es gibt jedoch Wege und Möglichkeiten, um es zu verringern oder gar vollständig auszuschließen. So bietet es sich beispielsweise an, eine sehr lange Zinsbindung zu wählen oder sich eine günstige Anschlussfinanzierung mittels Bausparvertrag zu sichern.

1.4 Was bedeutet der Leitzins für den Sparer?

Hinsichtlich der Leitzinsentwicklung haben Sparer und angehende Kreditnehmer vollkommen unterschiedliche Interessen. Während sich letztere sinkende Leitzinsen wünschen, hoffen Sparer auf Zinserhöhungen. Steigt der EZB-Leitzins, steigen auch die Zinsen für Spareinlagen.

Nochmal zusammengefasst:

Weitere Informationen zum Leitzins:

2. Leitzins-Entwicklung & Empfehlungen für die Kreditaufnahme

Anpassungen des Leitzinses sind nur nach einem Beschluss des EZB-Rats möglich. Entschlüsse können wiederum nur im Rahmen einer entsprechenden Sitzung getroffen werden. Relevant ist in diesem Fall die „Geldpolitische Sitzung mit anschließender Pressekonferenz“, die vom Rat alle sechs Wochen abgehalten wird. Sollte sich das Gremium auf eine Zinsänderung verständigen, wird dies im Rahmen der Pressekonferenz bekanntgegeben. Auch die Kreditbanken und somit die Zinsen in unserem Kreditrechner richten sich nach diesen Zinsänderungen.

Allerdings werden Zinsanpassungen nur selten vorgenommen, die meisten Sitzungen enden mit dem Beschluss, den Leitzins unverändert zu belassen.

Nimmt die EZB eine Anpassung des Leitzinses vor, wirkt sich dies letztlich auf alle Finanzierungsangebote der Banken aus. Es spielt keine Rolle, ob Immobilienfinanzierungen oder Ratenkredite angefragt werden – die Banken reagieren auf die Maßnahme der Zentralbank.

Wie schnell und intensiv sie reagieren, kann von Kreditsegment zu Kreditsegment wiederum verschieden sein. Im Feld der Baufinanzierungen ist dies sehr deutlich zu erkennen. Weil es um große und zugleich gut besicherte Darlehen geht, setzen die Banken vergleichsweise niedrige Margen fest. Umso stärker sind sie deshalb dazu gezwungen, auf Leitzinsänderungen zu reagieren.

Doch nicht nur die Banken, sondern auch die Darlehensnehmer müssen den Leitzins im Auge behalten. Die meisten Immobiliendarlehen werden in Verbindungen mit einer Zinsbindung abgeschlossen. Darunter ist zu verstehen, dass der Zinssatz nur für bestimmte Zeit fixiert ist. Nach Ablauf dieses Zeitraums, der sich meist auf zehn bis 20 Jahre beläuft, wird über den Restschuldbetrag eine Anschlussfinanzierung abgeschlossen. Deren Zinssatz wird neu ausgehandelt, wobei der Einfluss des Leitzinses enorm groß ist. Sollte er seit Abschluss der Finanzierung signifikant gestiegen sein, muss der Darlehensnehmer von einem deutlich höheren Darlehenszins ausgehen.

Experten sprechen vom so genannten Prolongationsrisiko, das mit einer Finanzierungsverlängerung einhergeht. Es gibt jedoch Wege und Möglichkeiten, um es zu verringern oder gar vollständig auszuschließen. So bietet es sich beispielsweise an, eine sehr lange Zinsbindung zu wählen oder sich eine günstige Anschlussfinanzierung mittels Bausparvertrag zu sichern.

Wann steigen die Leitzinsen? Was passiert wenn die Leitzinsen steigen?

Der EZB-Rat entscheidet sich für eine Erhöhung des Leitzinses, wenn er eine Senkung der Geldmenge anstrebt. Solch eine Maßnahme wird vorrangig ergriffen, um die Inflationsrate zu senken. Allerdings ringt sich die EZB nur selten zu Leitzinserhöhungen durch, weil diese nämlich das Wirtschaftswachstum bremsen.

Kommt es zu einer Erhöhung, steigen in Folge alle Zinsen, d.h. die Banken leihen sich weniger Geld und die Wirtschaft drosselt ihre Investitionen. Bei den privaten Haushalten ist es wiederum so, dass sich vor allem die Sparer freuen können, weil sie fortan höhere Guthabenzinsen erzielen. Angehende Kreditnehmer sind hingegen die Leidtragenden, weil sie sich auf steigende Finanzierungskosten einstellen müssen. Wenn die EZB eine Leitzinserhöhung beschlossen hat, kann schnelles Handeln sinnvoll sein. Mit Glück bietet sich die Chance, noch zu den alten und somit günstigeren Konditionen zu finanzieren.

Wann fallen die Leitzinsen? Was passiert wenn die Leitzinsen fallen?

Zu einer Absenkung des Leitzinses kann sich die EZB deutlich leichter durchringen, weil sie die Kreditvergabe damit ankurbelt. Die Wirtschaft nimmt mehr Kredite auf und zugleich besteht die erhöhte Chance auf eine Schwächung des Euro, wodurch wiederum die Exporte angekurbelt werden.

Die privaten Haushalte können von den sinkenden Zinsen profitieren, sofern sie Kredite aufnehmen möchten. Aufgrund der EZB-Entscheidung locken niedrigere Kreditzinsen, die einige Banken mit etwas Glück zeitnah anbieten. Sparer sind wiederum gut damit beraten, zeitnahe Investments zu tätigen, um sich die alten Zinsen zu sichern.

Historische Entwicklung und wichtige Punkte im Überblick

Wie bereits erläutert wurde, agiert der EZB-Rat sehr vorsichtig, weshalb in den meisten Sitzungen keine Zinsanpassung beschlossen wird. Ein ständiges Auf und Ab der Zinsen findet ebenfalls nicht statt, die Leitzinspolitik ist langfristig ausgerichtet. Es folgt ein Blick auf die letzten Entwicklungen.

Update November 2015

Die beiden Leitzinssenkungen im vergangenen Jahr haben den EZB-Leitzins auf einen Wert von 0,05 Prozent gedrückt, seinem niedrigsten Stand aller Zeiten. Bislang hat sich die europäische Zentralbank nicht getraut, erneut an der Zinsschraube zu drehen. Somit ist der Leitzins im bisherigen Jahresverlauf unverändert geblieben.

Trotz des konstanten Leitzinses unterlagen die Kreditzinsen zum Teil erheblichen Schwankungen. Insbesondere bei den Hypothekenzinsen kam es im Mai zu einem Anstieg, der im Durchschnitt knapp 0,8 Prozent betragen hat. Allerdings haben sie seither konstant nachgegeben und befinden nur noch 0,3 Prozent vom historischen Allzeittief entfernt. Bei den Kreditzinsen für Ratenkredite sind keine solch erheblichen Schwankungen festzustellen, wobei die Zinsen im Jahresverlauf leicht gesunken sind.

Der Ausblick ist aus Sicht potentieller Kreditnehmer erfreulich. In den USA scheint die Zinswende nun wieder ein Thema zu sein und könnte bereits im nächsten Jahr Realität werden. Allerdings hat der EZB-Rat signalisiert, dass mit einer baldigen Zinswende in Europa nicht zu rechnen ist. Im Gegenteil: Mehr und mehr Experten möchten eine weitere Absenkung des EZB-Leitzinses nicht ausschließen. Dementsprechend deuten viele Zeichen darauf hin, dass die Kreditzinsen in Europa noch längere Zeit auf einem niedrigen Niveau verharren werden.

Update Juli 2014

Die für die USA erwartete Zinswende lässt doch länger auf sich warten, als vermutet. Inzwischen ist nicht mehr gewiss, ob die FED ihren Leitzins tatsächlich erhöhen wird. Zudem schätzt die EZB die gegenwärtige Situation in Europa weiterhin kritisch ein. Zwar geht es der deutschen Wirtschaft hervorragend, doch aufgrund der wirtschaftlichen Lage anderer Mitgliedstaaten sah sich die Zentralbank dazu gezwungen, erneut eine Zinssenkung um 0,25 Prozent vorzunehmen.

Damit ist klar, dass Kredite zinsgünstig bleiben und mit ein wenig Glück sogar noch niedrigere Kreditzinsen locken. Wer eine Finanzierung abschließen möchte, findet somit ideale Bedingungen vor. Allerdings haben nicht alle Banken ihre Zinsen gesenkt, teilweise wurde die Leitzinsanpassung auch genutzt, um die eigenen Margen zu erhöhen. Für potentieller Darlehensnehmer ist es deshalb umso wichtiger, sich am Markt umzusehen und Kreditkonditionen zu vergleichen.

Update Juli 2013

In den vergangenen Monaten hat sich die EZB sehr ruhig verhalten, d.h. weitere Zinssenkungen sind ausgeblieben. Inzwischen gehen etliche Marktteilnehmer davon aus, dass die Phase der Zinssenkungen in absehbarer Zeit beendet wird. Immerhin senden die USA deutliche Signale, in absehbarer Zeit eine Zinswende einzuläuten – schon bald könnte die FED eine Erhöhung des Leitzinses vornehmen.

Obwohl die EZB bislang nicht reagiert hat, kommen klare Signale aus dem Bereich der Immobiliendarlehen. Die Zinssätze für Hypothekendarlehen haben in den letzten Monaten deutlich angezogen, der durchschnittliche Zuwachs beläuft sich auf rund 0,4 Prozent.

Weitere Informationen zur Entwicklung: